Fernglas-Test für Brillenträger |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Es ist ein Greuel - immer diese Brille beim beobachten! Viele werden es kennen und nachvollziehen können, dass man als Brillenträger öfters mal Probleme mit den Okularen, dem Einblick, dem Gesichtsfeld und auch dem Fokusweg von optischen Gerätschaften wie Teleskop, Kamera und auch Fernglas hat. Daher nun ein kleiner Erfahrungsbericht über meine Suche nach einem geeigneten Fernglas, mit dem man mit Brille – z.B. Tagsüber auf einer Wanderung mal eben schnell nach einem Tier oder Vogel Ausschau halten kann, und auch Nachts beim Sternegucken ohne Brille beobachten kann. Hier zu ist es leider erforderlich, dass das Fernglas die Dioptrienleistung der Brille mit übernehmen muss. Genau hier liegt der Haken: Viele Ferngläser haben einen zu geringen Fokusweg. Bei Kurzsichtigkeit (wie bei mir mit -8dptr.) setzt dann meist der Okularschlitten auf dem Gehäuse auf, bevor das Bild richtig scharf wird. Mist! Porro-Prismen Ferngläser Test Zuerst einmal hatte ich mir einige Porro-Prismen-Gläser angeschaut. Darunter waren:
Leider habe ich von diesen Gläsern keine Abbildungen, aber mit googeln kann wohl jeder eine Beschreibung und ein Bild finden… Hier nun meine Erfahrungen mit den oben genannten Porro-Gläsern Zu 1.: Das Lidl-Zoom-Fernglas Das Glas ist klobig, aber dennoch leicht, da alles aus Plastik ist. Die Optik ist farbrein. Allerdings ist der Augenabstand vieeel zu klein, so dass man mit Brille gar nicht reinschauen kann. Das Gesichtsfeld wird arg beschnitten. Die Gummiaugenmuscheln lassen sich schlecht umklappen und ich habe Angst, mir die Brille zu zerkratzen, weil die Einschraubmuttern der Okularlinsen überstehen und recht scharfkantig sind. Ohne Brille lässt sich das Glas erst ab Zoomfaktor 12x für mich scharfstellen. Seltsamer Effekt. Auch meine Freundin als zweite Testperson kann erst ab 10x scharf stellen. Bei Ihr sind -6dptr. im Spiel.
Zu 2.: Das Aldi-Fernglas Dieses Glas nur kurz von einem Spechtelkollegen bekommen und mal durchgeschaut. Zu meiner großen Überraschung ließ es sich auch bei meiner Fehlsichtigkeit ohne Brille scharfstellen. Das Bild ist klar und zeigte nadelfeine Sterne. Wir haben es mit dem Vixen Foresta 10x42 (ein unfairer Vergleich, wenn man die Preise betrachtet) und es hat gar nicht so schlecht abgeschnitten. Lediglich die Vergütung zeigt bei hellen Objekten Reflexionen, sonst was das Bild nur unwesentlich schlechter. Leider konnten wir es nicht am Tag vergleichen.
Eigentlich ein Lichtriese, dennoch zeigte es auch nicht mehr als ein 7x42-Glas. Vielleicht lag es an der roten Vergütung, die auch zu einem Gelbstich am Mond führte. Auch dieses Glas ließ sich ohne Brille nicht fokussieren und ich habe keine weiteren Test damit gemacht, weil mich der Gelbstich des Bildes sofort abgeschreckt hat. Zu 4.: Vixen Ultima 7x42 Ein schönes Glas, etwas altbacken mit der Lederimitation als Überzug, aber grade das verleiht dem Glas einen wertigen Eindruck. Die Gummiaugenmuscheln ließen sich zwar leicht umklappen, aber wie sieht es aus, wenn ich das mehrere Jahre lang mache? Dieses Glas – obwohl schon deutlich teurer als Aldi – ließ sich ohne Brille nicht scharfstellen, dennoch konnte man mit Brille das volle Gesichtsfeld nutzen.
Der Vorteil dieses Glases liegt allein schon daran, dass es im Gegensatz zu den vorherigen Wasserdicht und Stickstoffgefüllt ist. Zudem hat es hochdrehbare Augenmuscheln, welche sehr schnell den Umstieg von Beobachten mit Brille und ohne Brille erlauben. Der Einblick ist mit und ohne Brille gut, auch lässt es sich ohne Brille noch scharfstellen und hat sogar noch „Luft“. Dieses Glas wurde mit dem Aldi und dem Vixen New Apex 8x42 verglichen. Zum New Apex zeigte es unter dem Sternenhimmel keine großen Unterschiede. Das Bild war etwas heller bzw. kontrastärmer, es waren nicht mehr oder weniger Sterne zu sehen als im New Apex. Die Unterschiede können auch rein subjektiv an der Vergrößerung gelegen haben.
Dachkant-Prismen Ferngläser Test Danach ging es an den Test von Dachkant-Gläsern, da sich bei den Proo-Gläsern nur zwei Kandidaten überhaupt scharfstellen ließen und nur eins davon mit und ohne Brille gleichermaßen gut zu benutzen war, nämlich das Vixen Foresta 10x42. Da die Anforderungen natürlich nicht kleiner werden, sollte auch das Dachkant Fernglas nun Wasserdicht und Stickstoffgefüllt sein.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Ferngläser sehen erstmal ziemlich gleich aus und sind sehr kompakt – Dachkant eben. Das Vixen und Steiner liegen in der Preislage um 430€, das TS-Glas ist allerdings mit 119€ deutlich günstiger, wobei es die gleichen Leistungen verspricht! |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Das Vixen und TS-Glas haben beide die hochdrehbaren Augenmuscheln, das TS sogar kleine Rastungen und Markierungen für unterschiedliche Pupillenabstände. Der Dioptrienausgleich liegt beim TS und Vixen am rechten Augen, bei Steiner links. Das Steiner hat sehr weiche „Ergoflex“ Augenmauscheln, die kein Streulicht einlassen. Diese sind auch leicht umklappbar.
Das Glas wirkt schwer und etwas klobig, liegt aber gut in der Hand. Auch ist die Mittelachse zu schlapp eingestellt, sodass sich der Augenabstand beim fokussieren leicht verstellt, hingegen ist der Dioptrienausgleich am rechten Auge sehr schwergängig und nicht vor dem Auge justierbar. Der Fokussierknopf ist sehr groß und gut zu bedienen, allerdings auch sehr feinfühlig und schnell. Es erfordert etwas Übung, mit dem schnellen Fokus umzugehen, man hat immer das Gefühl, nicht richtig fokussiert zu haben, die Tiefenschärfe ist sehr gering. Hat man den Fokus allerdings gefunden ist das Bild klar und hell, mit und ohne Brille scharf zu stellen und das volle Gesichtsfeld (welches recht groß ist) nutzbar. Zu 2. Vixen New Apex 8x42 Das Glas wirkt schlank und robust. Nichts wackelt, die Augenmuscheln sind allerdings nicht verrastend wie bei TS, aber ausreichend schwergängig, um nicht zu verstellen. Ein Blick durchs Glas zeigt ein unglaublich kontrastreiches, scharfes Bild. Der Fokus ist viel einfacher zu finden wie beim TS und die Tiefenschärfe ist – trotz geringerer Vergrößerung viel größer als beim TS. Auch dieses Glas funktioniert mit und ohne Brille sehr gut, lediglich der Einblick ist etwas winkelabhängig und „verdunkelt“ leicht, wenn man das Glas „verkippt“. Es reagiert auch äußerst empfindlich auf den korrekten Abstand zwischen den Augen, doch hat man den einmal eingestellt, bleibt er auch so dank stabiler Mittelachse, die beim TS ja zu schlapp war. Ein Test am Stern zeigt allerdings auch nicht mehr Sterne als beim TS – also Öffnungsabhängig. Allerdings ist das Glas rund 100g (!!) leichter als das TS-Glas. Zu 3. Steiner Safari 8x42 Dieses Glas sollte eigentlich der König unter diesen Gläsern sein – jedenfalls laut der vollmundigen Steiner-Werbung, dem Prospekt, der Verpackung und Aufmachung. Die Enttäuschung kam sofort, denn es ließ sich ohne Brille nicht scharfstellen. Weitere große Test erübrigten sich somit. Bleibt nur noch zu sagen, dass es von der Verarbeitung und den zusätzliche Features ganz gut ist. Die Gummiaugenmuscheln sind weich und verhindern Streulicht, das Glas war das leichteste im Test und noch 20g leichter als das Vixen und sehr griffig. Der Gurt ist einrastbar und schnell zu entfernen, die Objektivdeckel am Fernglas eingeklickt und damit unverlierbar. Das Zubehör: Steiner ist hier am üppigsten: Nichts kann verloren werden. Bei TS ist nur der Okulardeckel am Gurt anzubringen und bei Vixen gibt es einfach nur schnöde Plastikdeckel, die wahrscheinlich nach dem ersten Urlaub auf wundersame Weise verschwunden sind. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Taschen unterscheiden sich einfach laut der Preisklasse. TS hat eine dick gepolsterte Nylontasche, Steiner ebenso, allerdings auch mit einrastbarem Gurt und Deckelverbindung, damit nicht beim Öffnen der Tasche alles herausfällt. Vixen hat eine noble graue Ledertasche, die innen gepolstert ist. |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Zusammenfassung Dachkant:
Fazit: Als Brillenträger trifft man wohl die beste Wahl mit den hochdrehbaren Augenmuscheln, weil man hier sehr schnell wechseln kann und auch mit Brille das ganze Gesichtsfeld ausnutzen kann. Von der optischen Leistung her waren die Vixen-Ferngläser erstmal ungeschlagen, wobei ich allerdings das Steiner Fernglas nicht richtig beurteilen konnte. Wenn man mit dem Fokus des TS-Glases klarkommt, ist das TS-Glas – vor allem bei dem Preis – sehr zu empfehlen, denn immerhin kostet es auch nur ein Viertel des Vixen-Preises! Dafür hat man allerdings leichte Einbussen bei Verarbeitung und Garantie – Vixen gibt dagegen 10 Jahre. Wer nicht auf den Preis achten muss und sich nur einmal ein Glas kaufen will, in Punkto Verarbeitung, Bildschärfe und Kontrast keine Kompromisse eingehen will hat mit dem Vixen eine Gute Wahl, sei es das Foresta als Porro oder das New Apex als Dachkant. Ich würde jeden nicht-Brillenträger mal einen Vergleich mit den Vixen-Geräten anraten.
Noch eine Anmerkung zum Online-Versandhandel: Leider habe ich nicht noch mehr Ferngläser testen können, denn auch mit dem Hinweis, ob ich gar nicht wisse, ob ich das Glas als Brillenträger überhaupt benutzen kann, erklärten sich viele Versandhandel nicht bereit, die Gläser auf Rechnung zur Ansicht zu schicken. Besonders schlechte Erfahrungen habe ich dabei mit Boot- und Yachtausrüstern gemacht – anscheinend haben die Herren Yachtbesitzer ganz besonders schlechte Zahlungsmoral ;-) Hingegen habe ich besonders von Herrn Vehrenberg sowie auch von Teleskop Service Ransburg eingehende Beratung erfahren und die Geräte auf Rechnung zur Ansicht bekommen, von Optik Vehrenberg gleich zwei Geräte. Durch Herrn Horlemann von „Das Fernglas“ habe ich umgehende Antworten und Herstelleraussagen (leider falsche von Steiner) per Email bekommen, das Glas selbst leider nur per Vorkasse, trotz Anfrage und zudem noch an falsche Adresse. Angekommen ists es aber recht schnell… Lobend erwähnt sei noch Herr Oehlmann von Digitaltopshop für die schnelle Zusendung des Bresser-Glases und die unbürokratische Abwicklung. Einen großen Dank an die genannten Shops!
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
© 2005 by Markus Appl • Diese Seite ist Teil eines Framesets [this page is part of a frameset] LOAD FRAMESET |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||