Vom guten zum besseren Astrofoto

Entfernen des Himmelshintergrundes

Astrofotografie ist eine spannende Sache. Schaut man sich die tollen, bunten Bilder in Zeitschriften oder im Internet an, so kommt schnell der Wunsch auf, ebensolche Fotos zu schießen.
Beseelt von dem Gedanken an die fernen Weiten, welche man mit seiner Kamera ablichten kann, treibt es einen dann zu den "Astro-Dealern" und kauft sich das nötige Equipment um seine Kamera an sein heissgeliebtes Teleskop anzuflanschen.
Nach der ersten Nacht kommt dann aber schnell die Ernüchterung, stellt man doch fest, dass die ganze Thematik gar nicht so leicht ist. Neben der üblichen Schwierigkeiten (wie z.B. genau Einnorden oder Fokus finden) stellt sich auch die Frage nach der Belichtungszeit. Um sich darin ein wenig einzuarbeiten ließt man immer wieder den heißen (aber in der Praxis häufig selten durchgeführten) Tipp, erst einmal mit einem Normalobjektiv Sternbildaufnahmen zu machen, um sich mit der Astrofotografie anzufreunden.
Ist das erste Foto dann entwickelt kommt der nächste Schock: Irgendwie sieht es grau(sam) aus. Der Himmelshintergrund scheint voll durch!
Leider ist es den meisten Menschen in good old Germany nicht vergönnt, irgendwo einsam in der Pampa zu wohnen (wo sonst keiner wohnt) und einen 6mag5 Himmel vor der Haustür zu haben (man muss ja irgendwie das Geld für die Astro-Dealer verdienen und so wohnt man in oder zumindest nahe einer großen Stadt). Speziell im "Dunstkreis" des ARS haben wir natürlich den Ballungsraum Ruhrgebiet direkt vor der Haustür. Große Städte sind auch nachts voll illuminiert und der Dunst und Staub in der Atmosphäre reflektiert solche Beleuchtung prima. Dies kann bei visueller Deep-Sky-Beobachtung schon stören - meist wirds nahe des Zenits aber besser. Bei Astrofotos (und hier speziell chemische) kann aber auch ein leichtes Glühen im Zenit sich schon störend auswirken. Astrofotos werden lange belichtet (von mehreren Minuten bis in den Bereich von Stunden), so dass die einzelnen, verirrten Photonen aus dem aufgehellten Himmelshintergrund (für den es auch atmosphärische Ursachen geben kann - "Skyglow") sich mit der Zeit auf dem Film störend ansammeln.

Kein Grund zur Verzweiflung, wir leben ja im digitalen Zeitalter ;-)

Zuerst einmal muss unser Delinquent natürlich digital vorliegen. Hat man mit einer Digitalkamera fotografiert ist man fein raus. Für abgezogene Fotos (also "chemische") gilt, dass diese gescannt werden müssen. Dafür gibt es unterschiedliche Lösungen. Einige Fotolabors bieten an, gegen einen geringen Aufpreis, bei der Filmentwicklung die Fotos auch auf einer CD mit zu liefern. Darüber hinaus können z.B. Dias mittels Diascanner (im Fotogeschäften z.B.) nachträglich eingescannt werden. Das geht auch mit Negativen eines normalen Films. Oder man verwendet einfach einen Flachbettscanner mit dem man seine Abzüge einscannt. Ist qualitativ zwar die schlechteste, meist aber die einfachste Lösung.

Dann braucht man ein Grafikprogramm. Da gibt es mitlerweile unheimlich viele auf dem Markt. Von richtig teuren und guten Lösungen a la Adobe Photoshop über Corel Photopaint bis hin zu den Progrämmchen, die inzwischen bei jeder Digicam oder Scanner dabei sind.
Ich hab mich hier mal für Gimp entschieden, da es zum einen kostenfrei im Internet erhältlich ist, zum anderen ist es portiert für unterschiedliche Plattformen (also Windows, Linux, ...) und für unsere Zwecke reicht es völlig aus. Die prinzipielle Vorgehensweise ist aber hier nicht auf Gimp beschränkt sondern lässt sich völlig analog mit anderen Grafikprogrammen ebenso durchziehen.



Ich hab mir hier mal ein Foto von Max vom Sternbild Orion geschnappt.
Erstmal mit Gimp einladen.

Man erkennt auf jeden Fall, dass er das Sternbild Orion getroffen hat. *gg*
Sonst ist das Foto sehr stark vom aufgehellten Himmel geprägt.
Das bekommen wir schöner...

Zuerst schnappen wir uns das Pipetten-Symbol aus dem Hauptfenster von Gimp. Durch klicken auf einen Punkt im Bildfenster wird hiermit die Malfarbe auf die angeklickte Farbe gesetzt. Wir versuchen nun die Farbe des Himmelhintergrundes zu erwischen (was bei Maxens Bild nicht schwer fallen dürfte :-)) Also klicken wir mit der Pipette irgendwo auf den Himmelshintergrund.
Es erscheint ein kleines Fensterchen, das die Auswahl der Farbe als Malfarbe bestätigt und uns diese auch zeigt.
Jetzt brauchen wir das Ebenen-Fenster.
Dazu vorher noch eine Anmerkung: Gimp ist etwas gewöhnungsbedürftig im Umgang. Im Gegensatz zu anderen Grafikprogrammen kommt man an die meisten Funktionen nicht über die Menüs im Hauptmenü, sondern muss in den betreffenen Fenstern mit der rechten Maustaste klicken. Dann erscheint ein Pop-Up-Menü, mit allen Untermenüs.
Zurück zu den Ebenen. Wenn das Fenster für die Ebenen nicht angezeigt wird, dann einmal auf das Bild mit der rechten Maustaste klicken und auswählen "Ebenen->Ebenen, Kanäle und Pfade...". Es erscheint das Ebenen-Fenster.
Nun wird die neue Ebene angelegt. Hierzu ein klick auf das Sybol unten links im Ebenen-Fenster für "Neue Ebene" und wir wählen im aufpoppenden Fenster bei Ebenenfüllart "Vordergrund" aus. Damit wird eine neue Ebene erzeugt, welche mit der ausgewählten Farbe direkt gefüllt wird.

Jetzt kommt der Trick.
Die neu angelegte Ebene sollte automatisch aktiviert sein (blau hinterlegt im Ebenen-Fenster). Wenn nicht, dann einfach mit linker Maustaste im Ebenen-Fenster aktivieren. Die Darstellung im Bildfenster sieht jetzt komisch aus (alles irgendwie weg ...). Nicht dran stören - is noch alles da :-)
Im Bildfenster klicken wir mit der rechten Maustaste einmal ins Bild damit wir das Funktionsmenü wieder bekommen. Dort wählen wir aus "Bild->Farben->Invertieren".
Was macht das?
Diese Funktion invertiert die Farben in unserer aktiven Ebene des Bildes (also in unserer neu eingefügten) - macht praktisch ein "Negativ" daraus.
Jetzt wieder ins Ebenen-Fenster.
Wir müssen die beiden Ebenen jetzt noch "verheiraten" - also wieder zu einem Bild zusammenfügen.

Zuerst müssen wir den Kombinationsmodus auswählen. Dazu gibt es im Ebenen-Fenster ein kleines Pull-Down-Menü, wo "Modus" neben steht (im Moment sollte da "Normal" angewählt sein). Daraus wählen wir die Funktion "Nachbelichten" aus.

Wichtig ist, dass unsere neue und jetzt invertierte Ebene immer noch aktiv ist!

Damit haben wir nur die Methode ausgewählt, wie wir die aktive (also unsere neue) Ebenen mit der anderen vereinen wollen, haben aber noch zwei getrennte Ebenen. Wie das fertige Bild aussehen wird, kann man jetzt im Bildfenster aber schon sehen.
Kleine Anmerkung: Den Modus kann man für jede Ebene getrennt wählen. Wenn man mehrere Ebenen hat, ist das manchmal ganz praktisch, da man mehrere Arbeitsschritte mit einem Schlag erledigen kann.
Entscheidend für manche Modi ist auch, an welcher Position die Ebene steht. Diese kann man für die aktivierte Ebene mit den "Pfeil rauf" und "Pfeil runter" Schalter im Ebenenfenster festlegen.
Auch sehr nützlich (speziell bei mehreren Ebenen) ist das "Auge" Symbol. Klickt man auf ein Auge neben dem Ebenennamen, so "verschwindet" die Ebene (und somit ihr Einfluss durch den Kombinationsmodus) aus dem Bildfenster. Die Ebene ist zwar nicht weg, man kann sie nur im Moment nicht mehr sehen. So kann man bei mehreren Ebenen die einzelnen Wirkungsweisen auf das Gesamtbild getrennt sich ansehen.

Wenn ihr in eurem Bild jetzt das Auge neben der neuen Ebene wegklickt, so sehr ihr wieder das Bild, wie es ursprünglich mal war.

Wenn ihr Lust habt, dann spielt mal mit den anderen Kombinationsmodi 'rum. Gibt da ne Menge lustiger und nützlicher Sachen und solange ihr die Ebenen nicht vereint, macht ihr auch nix kaputt.
Jetzt wollen wir unser Bild aber wieder zusammenfügen.
Dazu in das Ebenen-Fenster einmal mit der rechten Maustaste klicken und "Bild zusammenfügen" auswählen

Wir sind schon so gut wie durch :-)

Irgendwie ist das Bild aber jetzt noch etwas dunkel. Also, Rechtsklick im Bildfenster, "Bild->Farben->Helligkeit-Kontrast..." auswählen und sowohl die Helligkeit als auch den Kontrast anpassen.
Sollte jetzt durch die Helligkeits- und Kontrastanpassung wiederum der Himmelshintergrund unangenehm in Erscheinung treten, dann kann die ganze Prozedur nochmals durchgeführt werden.

Das fertige Bild kann dann etwa so aussehen (natürlich auch in voller Größe in unserer Bildergalerie zu sehen und zwar hier)

Viel Spass beim Nachtüfteln...

 © 2004 by Dirk Schettler •

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