Lidl-Powercube zerlegt

 

März 2003 gab es bei LIDL einen „PowerCube“. Eine tragbare Akkustation mit 12V/7Ah-Akku, Ladenetzteil und diversen Ausgängen.

Wie bei mir so üblich, habe ich das Teil erstmal „zerlegt“, um zu sehen, wie denn die verschiedenen Ausgangsspannungen von 3V, 4.5V,

6V, 9V und 12V zustande kommen.

 

Also erstmal aufschrauben. Dazu die 8 Schrauben der schwarzen Seitenteile gelöst und die Seitenteile abgezogen. Die sind eh nur für die Aufbewahrung der Adapter und für mich ziemlich überflüssig, da das angeschlossene Gerät ja ein eigenes Kabel mit Stecker besitzen sollte.

 

 

Danach die vier Schrauben auf der Rückseite gelöst und die beiden Gehäuseteile geöffnet. Aha, nichts Unerwartetes.

Allerdings ist der Akku ist für seine 7Ah recht groß geraten, da gibt es kleinere.

Das eigentlich Interessante ist ja die Platine, welche mit zwei Schrauben gehalten wird.

 

 

Die Verarbeitung macht natürlich den erwarteten Eindruck: Alles billig zusammengelötet und mit jeder Menge Schrumpfschlauch und Kabelbindern irgendwie isoliert und festgemacht. Der Akku ist einfach mit jeweils zwei „Tesa-Moll“-Streifen vorne und hinten in das Gehäuse geklemmt.

Vorsichtig die Platine umgebogen, um keine Kurzschlüsse zu machen (ACHTUNG: Der Akku ist geladen!) und es zeigte sich folgender Anblick: Ein paar Widerstände und Transistoren, ein Haufen normaler Dioden (evtl. Schottky, hab nicht geguckt) und die Buchsen.

 

 

Die Ausgangsspannungen werden generiert, indem mehr und mehr Dioden in den Strompfad geschaltet werden.

Dazwischen sitzen die Abgriffe für die Ausgangsbuchsen.

 

D.h. im Klartext:

 

  1. Die übrige Spannung wird „verbraten“. Und zwar in den Dioden.
  2.  

    Dies führt zu einem extremen Leistungsverlust. Jede Diode schluckt ungefähr 0,6V. Das macht bei 1A erlaubtem Ausgangsstrom mal eben 0,6W.

    Benutzt man jetzt im schlechtesten Fall die 3V mit 1A, was dann 3 Watt Ausgangsleistung entspricht, verbraten die Dioden intern

    (12V-3V)*1A=9W in Worten NEUN WATT !!! Macht dann eine Gesamtleistung von 12W die der Akku aufbringen muss,

    wovon man selbst aber nur 3W nutzen kann. Diese Rechnung gilt für alle Ausgangsspannungen. Bei 1A Last verbraucht man immer 12W.

     

    In Zeiten ausgedrückt hält der Akku also im schlechtesten Fall (3V) nur ein viertel der maximal möglichen Zeit.

    Schade eigentlich, denn man denkt ja, man hat 7Ah, egal welche Spannung man entnimmt.

     

  3. Die Ausgänge sind nicht mehrfach nutzbar
  4.  

    Man kann immer nur einen Ausgang mit max. Strom nutzen. Die Summe aller Ausgänge zusammen muss unter 1A bleiben.

    Die Bezeichnung lässt aber meinen, aus JEDEM Ausgang 1A saugen zu können und das gleichzeitig.

     

  5. Kein Überlastschutz
  6.  

    Die Buchsen an der Frontseite haben keine Strombegrenzung. Baut man hier einen Kurzschluss, fliesst der max Strom von 10A, welcher dann durch die Sicherung an der Rückseite unterbrochen wird. Ob die Dioden diese Überlast aushalten bis die Sicherung durchbrennt ist zu bezweifeln.

     

 

 

  • Die „Ladeschaltung“
  •  

    Die Ladeschaltung besteht aus einem einfachen 12V-Steckernetzteil (siehe oben) mit 500mA maximalem Strom.

    Der Akku wird also ständig mit 500mA geladen, bis er eine Spannung von 12V erreicht hat.

    Diese Ladetaktik ist grundsätzlich falsch, da die Ladespannung an Blei-Gel-Akkus bis zu 13,8V betragen sollte und

     danach der Strom, abhängig von der Ladespannung, bis auf (fast) null reduziert wird.

    Mit dem beiliegenden Steckernetzteil wird der Akku niemals seine volle Kapazität erreichen.

     

  • Beiliegende Adapter
  •  

    Die beiliegenden Adapter zum Anschluss von Geräten mit einer Rundbuche sind leicht zu verpolen (siehe oben).

    Der Aufsatzwürfel ist zwar „beschriftet“, jedoch völlig symmetrisch und nur mit Lupe zu erkennen. Schlecht! ;-)

     

    FAZIT:

    Der Lidl-PowerCube entspricht genau meinen Erwartungen an ein Billigprodukt.

    Die Ausgangsspannungen sind weder stabilisiert, noch strombegrenzt (außer durch eine Sicherung von 10A!)

     

    Dennoch ist für den Preis das Gerät bestimmt zu gebrauchen, allerdings mit Vorsicht.

    Ein Akku, wie er hier eingebaut ist, kostet im Modellbauladen oder z.b. bei Conrad schon mind. das gleiche,

    wenn nicht gar mehr.

     

    Der einzig sinnvolle Ausgang an dem LIDL-Teil ist die Zigarettenanzünderdose und der direkte 12V-Ausgang

    auf der Rückseite, an dem man dann vernünftige Wandler (Schaltregler) anschließen kann.

     

    Der Wirkungsgrad beträgt bei den gegebenen Ausgangsspannungen:

    100% bei 12V

    75% bei 9V

    50% bei 6V

    25% bei 3V

     


     © 2004 by Markus Appl •

    Diese Seite ist Teil eines Framesets [this page is part of a frameset]
    LOAD FRAMESET