Auskleiden eines GSO880 mit Veloursfolie

 

Viele Leute haben anscheinend Angst, Ihr Teleskop zu zerlegen, um es mit Veloursfolie auszukleiden. Ein Spechtelkollege mit gleichem Skop hat mich schon gefragt, Ihm zu helfen und ich denke, zwei – drei Tricks könnt Ihr hier noch erfahren. Daher habe ich einfach mal meinen Umbau mit Fotos dokumentiert und präsentiere Euch hier die „Anleitung“.

Da ich bisher jedes Teleskop nach dem First Light ausgekleidet habe, kenne ich inzwischen den Unterschied zwischen einem Tubus im Originalzustand und einem „getuned“-en.

Ich sage euch: Der Aufwand lohnt sich wirklich! Ganz unten findet Ihr Vergleichsbilder Vorher - Nachher.

Es bringt eine deutliche Kontraststeigerung bei dunklen Objekten sowie schärfere Kanten und weniger Reflektion bei Mond und Planeten.

Außerdem wird seitlich einfallendes Streulicht – z.B. Nachbars Lampe, wenn man auf der Terrasse spechtelt – deutlich besser geschluckt und führt nicht mehr so zu Irrlichtern und Irritationen im Skop.

Da es sich hier um den Tubus handelt, gilt es für alle Newton-Systeme gleichermaßen.

 

Das Opfer ;-)

 

Zuerst muss man natürlich den Tubus abbauen und von allen unnötigen Anbauten befreien.

 

Beim Lidl-Refraktor ging es noch auf dem Küchentisch, beim 114er Newton noch auf dem Sofa – für den 10“ reicht noch grade der Wohnzimmerteppich aus *ggg*

 

Als erstes sollte man den Hauptspiegel ausbauen und irgendwo sicher lagern, damit ihm nichts passiert.

Dazu am besten die gesamte Spiegelfassung mitsamt Spiegelträger und Spiegel zusammen ausbauen.

Somit verändert man nichts an der Justage oder den Justierschrauben.

Um den Spiegelträger hinterher wieder korrekt einbauen zu können, wurden beide Seiten mit einem Buchstaben markiert – ein einfacher Strich tut’s auch.

Danach die seitlichen Schrauben rundherum rausdrehen und den Spiegel dabei festhalten, damit er nicht rauskippt und auf den Boden knallt.

 

Der Hauptspiegel mitsamt Fassung aus dem Tubus gezogen.

Schon auf diesem Bild sieht man, dass der Tubus nicht schwarz, sondern eher grau ist und deutlich reflektiert.

 

Die Dobson-Lager müssen natürlich auch ab, weil innen die Schrauben stören und schlecht ausgeschnitten werden können.

 

Nachdem Ihr die Bahn(en) eingeklebt habt, schneidet man einfach die Löcher von außen mit einer Nagelschere aus.

 

Die erste Bahn

Um die Länge der Bahn zu ermitteln, einfach den Innendurchmesser des Tubus messen und mal pi nehmen, denn U=d*pi. Oder einfach mit ´nem Maßband.

Die Folien aus dem Baumarkt sind alle 45cm breit und 1m lang.

Beim GSO ist der Innenumfang ca. 96cm. Passt also genau ;-)

 

Damit das ganze gerade wird, nimmt man die Falzkante des Tubus zu Hilfe. Wenn hier gerade angeklebt wird, kann nichts krumm laufen ;-)

Die Schutzfolie erst beim kleben abziehen, nicht vorher, sonst klebt die Folie überall fest. Klebt auch ganz toll auf der Armbehaarung *ggg*

 

Einfach mit der Hand von der Mitte aus andrücken. Wenn man den Tubus dreht und immer nur oben klebt, hängt die Folie von ganz alleine richtig.

Bei dünneren Röhren hilft ein Staubsaugerrohr oder Teigroller zum andrücken.

 

Nachdem die erste Bahn (oder alle Bahnen) drin sind und die entsprechenden Löcher ausgeschnitten, kann man sauber die Lager wieder anschrauben.

Ganz versierte können die Schrauben noch nachschwärzen oder mit einem kleinen Stückchen Folie extra überkleben.

 

Den Fangspiegel muss man natürlich auch ausbauen.

 

Hier muss man nix markieren, denn er geht ja nur in einer Richtung wieder rein. Jedenfalls wenn man danach noch was sehen will ;-)

 

Den vorderen Verstärkungsring ähnlich wie den Hauptspiegel abschrauben. Auch hier hilft die Markierung der Stellung, denn meistens sind die Schraubenlöcher nicht genau in gleichem Abstand, so dass es sonst Probleme mit dem Wiedereinbau geben kann.

 

Auch den Fangspiegel gut beiseite legen…

 

Der OAZ, Sucherschuh und alles was sonst noch Muttern im inneren hat muss auch ab.

 

Auf diesem Bild sieht man auch sehr schön, wie der OAZ selbst innen spiegelt, sowie den Unterschied zwischen Folie und Originallackierung.

Die OAZ-Schrauben sollten eigentlich auch eher schwarz sein – Chinesen eben…

 

Nachdem die letzte Bahn eingeklebt ist, einfach den überstehenden Rand mit einem Teppichmesser abschneiden.

So verschwindet eine evtl. Schnittkante schön sauber unter dem vorderen Verstärkungsring.

Dieser passt immer noch locker über Tubusblech und Folie zusammen.

 

Viel Arbeit macht natürlich das Ausschneiden der vielen Löcher am vorderen Ende – aber man macht es ja nur einmal.

 

OAZ nicht vergessen ;-)

Sonst bleibt’s dunkel.

Gut zu sehen ist, wie sauber es mit der Nagelschere geht.

 

Der OAZ wird vor dem Wiederanbau natürlich auch verarztet und innen mit Folie ausgekleidet.

 

Damit ist auch hier die Spiegelung verschwunden.

 

Das Plastik der Fangspiegelhalterung ist eigentlich schon selbst ein Spiegel.

Hier nur Ansatzweise ein dreieckiges Stück Folie aufgeklebt, den vorderen Teil sollte man aber nicht durch aufkleben von Folie noch dicker machen, da es dann mehr Abschattung gibt.

Habe daran gedacht, das Plastik anzurauhen, war aber dann doch zu feige, das Schleifpapier anzusetzen.

 

Bevor es an den Wiedereinbau des Hauptspiegels geht, bekommt er noch eine Mittenmarkierung.

Diese ist einfach ein Lochverstärkerring und wird mittig auf den Spiegel geklebt.

Ich habe einfach die Spiegelfassung als Messhilfe genommen und einmal kreuz und einmal quer gemessen.

Den Ring mit einer Pinzette aufgelegt und mit einem Tuch angedrückt.

 

Keine Angst, diese Stelle des Spiegels wir eh hinterher vom Fangspiegel abgeschattet und könnte eigentlich auch schwarz sein.

 

Die Mittenmarkierung erleichtert hinterher das justieren ungemein.

Viele Spiegel werden schon mit Mittenmarkierung geliefert.

 

Danach geht es an den Einbau von Haupt- und Fangspiegel. Die Markierungen helfen dabei, dass die Justage nicht verloren geht.

Alles in allem habe ich für den Umbau doch ca. 3 Stunden gebraucht und drei Rollen Veloursfolie (1,5m²) verbraucht.

Als Folie habe ich die ALCOR Veloursfolie selbstklebend schwarz für 7,49€/Stück (!) aus dem OBI genommen.

Manche Baumärkte verkaufen auch Folie von DC-Fix, die (noch) besser sein soll, aber leider nicht zu bekommen war.

Laut Aussage eine OBI-F(l)achverkäufers ist ALCOR nur ein Brandlabel für DC-Fix, d.h. in beiden ist das gleiche drin.

 

Und Jetzt noch zum Vergleich die Vorher-Nachher-Bilder mit Blitz auf den Hauptspiegel

 

 

Deutlich zu sehen ist die Reflektion des HS auf der Tubuswand

Die Reflektionen sind minimal bis nicht vorhanden



Und jetzt: GUTES GELINGEN!


 © 2004 by Markus Appl •

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